WUNSCH
Hochgewölbt dem Ausgang zu,
graugelbe Blitze hinter festen Lidern.
Lärm verschwimmt zu weicher Stille,
ich spür den Sog an Herz und Gliedern.
Laß mich los, du Spiegelfechter,
hin möcht ich zum Tunnelende,
schwerelos hinaus ins Licht,
zurück ins Dickicht der Geschlechter.
Wer du auch seist,
Tod oder Gott,
sei meines Sterbens Wächter,
hauch mir beschleunigte Bewegung ein,
des Lebens Grüße zu erwidern!
LICHTPAUSEN
Nun streitest du es nicht mehr ab,
es kommen härtere Tage.
Auch du
schließt jetzt die großen Zimmer ab
und wartest darauf,
daß deine Fingerkuppen taub werden.
Tote Körper geben sich
mit ihrer Formreinheit zufrieden.
Hat dir schon jemand im Vorbeigehen gesagt,
daß du dich freuen kannst
auf die Schönheit kommenden Schweigens?
Ich rate dir,
höre nicht auf die Einflüsterer,
es wird nur ein fahler Abglanz sein von dem,
das uns umgab in behausten Zeiten.
Aber wende dich auch nicht ab,
belasse die Dinge in losem Zusammenhalt,
vernichte nicht die Lichtpausen unserer Gespräche
von damals,
als unsere Gedanken
noch nicht zerbrochen waren,
und wir nur in unseren Köpfen versuchten,
uns von dieser Welt zu abstrahieren.
SCHERENSCHNITT
Sag mir, was unterscheidet uns?
Sind es nicht unsere Seelen,
die aus Funken der Gestirne geboren
und von unseren Augen gespiegelt werden?
Unsere Herzen,
jedes von einer andersfarbigen Aureole umgeben,
die in der Erregung sichtbar wird?
Ist es nicht unser Schoß,
der Blitze der Zwielichtigkeit entzündet,
vielzackig auflodernd
und doch Geborgenheit verheißend?
Und sind es nicht sogar
die Regenbögen unseres Schweißes,
die auf geheimnisvolle Weise
den einen verzaubern und den anderen nicht?
Was passiert mit uns,
wenn die Scheidung von Licht und Finsternis
zwar weiterhin unser Leben bestimmt,
nicht aber mehr unsere Gegensätzlichkeit?
Werden wir dann
mit unseren Schatten verschmelzen?
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